Kleber aus Gummibärchen und Wasser

Schüler vom „Tag der Chemie“ in der Hochschule begeistert

Artikel der Pirmasenser Zeitung

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Ist Pirmasens eine Alternative für Berufsanfänger oder müssen sie Pirmasens verlassen? Müssen sie studieren oder bringt auch eine gute Ausbildung vor Ort einen guten Job? Das sind Fragen, die sich Schülerinnen und Schüler stellen müssen. Damit hier eine richtige Antwort gefunden werden kann, hat die Hochschule (HS) Kaiserslautern am Campus Pirmasens und die Chemieverbände Rheinland-Pfalz 2011 eine Kooperation ins Leben gerufen. Beim diesjährigen Tag der Chemie war der Einsatz von Klebstoffen ein spannendes Thema.

41 Schüler und Schülerinnen der 6. Klassenstufen des Leibniz-Gymnasiums mit ihren Klassenleiterinnen und Chemielehrerinnen Monika Hook, Daniela Schilling und Beate Klimmer-Fitting bekamen Einsichten in die Welt der Chemie. Das Leibniz hat als einziges Gymnasium eine wöchentliche Experimentierstunde, in der die Gruppe auf die Exkursion vorbereitet wurde.

Prof. Dr. Thomas Stumm erläuterte bei seiner Vorlesung, was für Stoffe um uns herum Chemie ausmachen und machte eindrucksvoll Werbung für die „schönste Hochschule, die viel zu bieten hat.“ Man merkte ihm an, dass er es nicht nur als Pflichttermin sah, sondern mit Spaß und Leidenschaft dabei war.

Während früher noch 100 Zwickstifte die Schuhe zusammenhielten, sind gerade die heutigen Turnschuhe aus Kunststoff ein Paradebeispiel, was Kleber leisten können. Bis zum Schnürsenkel ist alles Chemie. Die zehn- bis zwölfjährigen „Experten" wussten schon, was sie mit Kleber anfangen können. Da wurden auch schon mal die Finger mit Sekundenkleber in Mitleidenschaft gezogen oder mit Opa die Fliesen in der Küche geklebt.

Prof. Stumm erläuterte, dass nicht alle Klebestreifen Tesafilm und nicht alle Alleskleber Uhu heißen, sondern Markennamen sind. Der Name Alleskleber sei sowieso irreführend, denn er könne nicht alles, es komme auf das Material an und die Geduld.

Der Leiter des Produktmanagements der Kömmerling Chemische Fabrik GmbH Dr. Knut Göke stellte mit seinem Team heraus, dass ein Kleber flüssig sein sollte, damit er eine gute Verbindung eingehen kann. Er muss es wissen, denn Kömmerling, 1897 mit Schuhklebstoffen in Pirmasens unweit vom Campus angefangen, ist weltweiter Hersteller von qualitativ hochwertigen Kleb- und Dichtstoffen für Isoliergläser, Autos, Schiffe und Flugzeuge. Wer hört, dass Seitenleitwerke von Flugzeugen geklebt werden, der wird anders in den Urlaub fliegen und der Werbefilm, bei dem ein Auto mit einem Klebepunkt hochgezogen wird, ist laut Dr. Göke absolut möglich.

„Wir haben altersgerechte Experimente vom Chemieverband, sind modern und wollen vom Denken des 19. Jahrhunderts weg. Wir müssen frühzeitiger in die Schulen und an die Chemie heranführen, da Projekttage meistens zu spät sind. Wir müssen uns bekannter machen und zeigen, dass wir gute Jobs bieten können“ begründet Dr. Göke das Engagement der Firma, die auch die Hochschule ausrüstet und unterstützt. „Chemie hilft, die Natur besser zu verstehen und die natürlichen
Vorgänge für uns zu nutzen, freute sich Tobias Göpel, Pressesprecher der Chemieverbände Rheinland-Pfalz, über die Begeisterung und versprach, weiterhin dieses Angebot der Hochschule zu unterstützen.

Joachim Tretter von der KÖ-Anwendungstechnik Klebstoffe und Dichtstoffe, hatte das interessanteste Experiment. Die Schülerinnen und Schüler, fachmännisch ausgestattet mit Schutzbrille und weißem Kittel, durften selbst Kleber herstellen - mit handelsüblichen Gummibärchen und der richtigen Mischung Wasser. Prof. Stumm zeigte, dass auch Stärke kleben kann. Karin Hilz, seit Mai Schulbeauftragte, freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit den Schulen. Denn hier werde deutlich, dass Studium oder Ausbildung auch in Pirmasens möglich sei. (kly)

Quelle: Pirmasenser Zeitung, Freitag, 15. Juli 2016