„Neue Perspektiven durch Zusammenschluss“

Seit Oktober 2017 gehört die Royal Adhesives & Sealants-Gruppe inklusive der Kömmerling Chemische Fabrik GmbH zum amerikanischen Konzern H.B. Fuller. Fuller ist einer der führenden Klebstoffhersteller weltweit und möchte mit der Akquisition seine Kompetenzen und sein Portfolio im Bereich Kleb- und Dichtstoffe erweitern. Für Kömmerling ist das nicht der erste Eigentümerwechsel. Inwieweit der neue Zusammenschluss die Strategie und Ausrichtung des Kleb- und Dichtstoffherstellers aus Pirmasens im Segment Glas beeinflussen wird, berichtet Kömmerling-Geschäftsführer Bernd Helfrich im Zuge der glasstec.

Was hat sich  seit dem Zusammenschluss mit H.B. Fuller für Ihre Kunden geändert?

Das lässt sich ganz klar beantworten: Es gibt keinerlei operative Veränderungen für unsere Kunden durch den Eigentümerwechsel. Kömmerling agiert genauso kundenorientiert und technologiestark wie zuvor. Darüber hinaus können wir jetzt mit den Kollegen von H.B. Fuller auf größere Ressourcen in einem globalen Team aus Vertrieb, Entwicklung und Service zurückgreifen. Die zusätzliche Vermarktung unserer Dichtstoffe durch die weltweite Vertriebsstruktur von H.B. Fuller eröffnet uns dabei neue Wachstumsperspektiven. Gleichzeitig bleiben unsere Produkte, unser Service und unsere Qualität auf dem anerkannt hohen Level. Auch die Ansprechpartner haben nach dem Zusammenschluss nicht gewechselt. Die Geschäftsbereichsleitung Glas wurde nach dem unfallbedingten Ausscheiden von Herbert Haas an Ernst Semar übergeben. Er setzt die langjährig erfolgreiche Arbeit von Herbert Haas mit seinem kompetenten Team in bewährter Weise fort.

Welche Rolle spielt Kömmerling jetzt in der Fuller-Gruppe?

Kömmerling ist ein innovativer Anbieter in den wachstumsstarken Branchen Isolierglas und Transport, wobei wir vor allem in Europa und Asien agieren. Diese Zukunftstechnologien und Märkte sind für H.B. Fuller besonders interessant. Denn Fuller ist, bezogen auf Nordamerika, ebenfalls ein starker Player im Isolierglasbereich. Doch erst mit unserem Know-how und unserem Produktportfolio wird Fuller zum weltweit größten und technologieführenden Dichtstoffanbieter in diesem Marktsegment. In dieser Struktur verantwortet Kömmerling kommerziell und technisch jetzt das weltweite H.B. Fuller | Kömmerling Isolierglasdichtstoffgeschäft. Unser Hauptstandort Pirmasens wurde dieser organisatorischen Entscheidung folgend zum globalen Kompetenzzentrum aufgewertet. Darüber hinaus wurde das europäische H.B. Fuller-Geschäft der Engineering Adhesives mit seinen Schwerpunkten Automobil, Transport und Electronics unter Kömmerling-Führung organisatorisch neu aufgestellt. Unser technologieorientierter, auf Innovation und Wachstum ausgelegter Geschäftsansatz, der Kömmerling schon viele Jahrzehnte prägt, setzt sich somit auch in der neuen H.B. Fuller-Konzernstruktur fort.

Warum übernimmt Kömmerling im Isolierglas die Führung und wie ist der Standort Pirmasens für die neue Aufgabe als globales Kompetenzzentrum aufgestellt?

Bahnbrechende Innovationen im Bereich Glas und Fassade haben immer wieder Ihren Ursprung in den technologisch hochstehenden europäischen Märkten, vielfach weltweit erfolgreich ausgerollt durch Global Player mit Sitz in Europa. In diesem Umfeld hat Kömmerling im Segment der Isolierglasdichtstoffe seit dem Ende der 60er Jahre mit seinem breiten Know-how und seiner starken Marke stetig seine globale Marktpräsenz ausgebaut.

Unser neuer Eigentümer schätzt insbesondere die hohe technologische Kompetenz für die Glasbranche am Standort Pirmasens. Dies hat zur Ernennung von Pirmasens zum globalen Kompetenzzentrum für Isolierglasdichtstoffe geführt. Eine hervorragend aufgestellte Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit hochqualifizierten Chemikern und Ingenieuren sowie unseren versierten Anwendungstechnikern, die von Pirmasens aus weltweit agieren, begründen diese Entscheidung. Der weitere Ausbau des Standorts zum globalen Kompetenzzentrum mit neuester Technologie dient der Festigung der weltweit führenden Marktposition und sichert uns die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Bereits während der letzten drei Jahre haben wir in Pirmasens und an unserem zweiten deutschen Standort Langelsheim 15 Mio. Euro investiert. Davon können wir jetzt gemeinsam mit Fuller profitieren. So wurde in diesem Jahr in Pirmasens ein neuer leistungsfähiger Kneter für Isolierglasdichtstoffe in Betrieb genommen. Ebenfalls gestartet wurde eine Logistikerweiterung auf einem nahegelegenen eigenen Gelände mit 17.000 m2 Fläche. In Langelsheim haben wir den Produktionsbereich Butyl erweitert, und am Hauptstandort neben weiteren Investitionen in Silo- und Produktionsanlagen zusätzlich neue Prüf- und Messtechnik angeschafft.

Was passiert mit den Produkten im Glasbereich?

Das unseren europäischen Kunden bekannt breite und leistungsfähige Produktprogramm verändert sich durch den Eigentümerwechsel nicht. Wir fertigen nach wie vor vollständig in Pirmasens und Langelsheim. Unsere Kunden dürfen also auch weiterhin voll und ganz auf bekannte Qualität und technischen Service vertrauen. Die innovative Weiterentwicklung unserer global einsetzbaren Produkte steuern wir aus Pirmasens. Dabei orientieren wir uns wie bisher an den Anforderungen unserer Kunden. Die vier Technologiethemen Warme Kante, Structural Glazing, Verbundglas und Fensterverklebung werden in der Entwicklung bei Kömmerling zukünftig den höchsten Stellenwert einnehmen.

Was sind die langfristigen Vorteile der neuen Unternehmensstrukturen für Kunden im Glasbereich?

Langfristig werden unsere Kunden von der Stärkung und dem Ausbau der deutschen Standorte profitieren. Denn damit verknüpft sind ein marktführendes, innovatives Produktsortiment und ein weltweiter Service. Darüber hinaus ergeben sich aus der globalen Vernetzung der Entwicklungsabteilungen und der jahrzehntelangen Expertise beider Unternehmen neue Synergien: Unser hohes Verständnis für die Prozesse der Glasindustrie in Kombination mit einer starken Entwicklungsabteilung versetzt uns in die Lage, die Produkte und Prozesse unserer Kunden ganz konkret zu verbessern und mit unserem Expertenwissen ein kompetenter Partner für neue Entwicklungen im Glasbereich zu sein. Unsere Begeisterung für die technologische Weiterentwicklung energieeffizienter Produkte spielt hier eine ebenso große Rolle wie die enge Zusammenarbeit mit Maschinen- und Materiallieferanten. Dabei sind wir immer bestrebt, die Trends der Branche und unserer Kunden zu erkennen und aufzugreifen.

Wie sieht die generelle Strategie von Fuller aus?

Bezogen auf die Akquisition von Royal/Kömmerling ist H.B. Fuller konsequent seiner Wachstumsstrategie gefolgt und vertieft damit die bereits vorhandene Expertise für hochwertige Kleb- und Dichtstoffanwendungen in stark wachsenden Märkten. Klebstoffverbindungen, die dazu dienen, das tägliche Leben zu vereinfachen sowie Produkte und Prozesse besser und sicherer zu machen, stehen dabei im Vordergrund. Dazu zählen insbesondere Spezialanwendungen in Branchen wie Elektronik, Hygiene, Medizin, Transport, Bau, Erneuerbare Energie, Verpackung und Holzverarbeitung. Die Akquisition von Royal/Kömmerling macht H.B. Fuller darüber hinaus zum weltgrößten Anbieter von Isolierglasdichtstoffen und Klebstoffen für kommerzielle Bedachungsanwendungen. Als Technologieführer in vielen Marktsegmenten verfügt das Unternehmen über 6.000 Mitarbeiter an 73 weltweiten Standorten. Mit dem erweiterten innovativen Produktportfolio, gepaart mit einem hervorragendem Service, verfolgt H.B. Fuller das strategische Ziel, seinen Kunden in den genannten Schlüsselmärkten zu einer höheren Wertschöpfung zu verhelfen. Ein erfahrenes globales Team von Kleb- und Dichtstoffexperten stellt sich mit hohem Engagement dieser permanenten Herausforderung.

 

Das Interview ist u.a. in der bauelemente bau, Ausgabe 11/18 zu lesen.

 

Bernd Helfrich, Geschäftsführer KÖMMERLING CHEMISCHE FABRIK GMBH

Bernd Helfrich, Geschäftsführer der Kömmerling Chemische Fabrik GmbH, sieht neue Wachstumsperspektiven durch den Zusammenschluss mit H.B. Fuller.

Weitere Informationen und Belegexemplar an:

Kömmerling Chemische Fabrik GmbH
Zweibrücker Str. 200
66954 Pirmasens
Tel: +49 6331 56-2330
Fax: +49 6331 56-1110
E-Mail: marketing@koe-chemie.de
www.koe-chemie.de