„Es hat sich eine psi-Wert-Olympiade entwickelt“

Thermoplastische Abstandhalter und Silikon als Randverbund in Fassaden sowie Structural Glazing-Konstruktionen sind relevante Themen für Glasverarbeiter und -hersteller. GFF hat mit Dr. Knut Göke, Head of PM/Marketing von Kömmerling Chemische Fabrik, gesprochen.

GFF: Herr Dr. Göke, Kömmerling hat für ein Projekt in Südkorea das Produkt G-Smatt Glass entwickelt. Worum handelt es sich genau?

Göke: Ja, das LED-Glas ist in verschi­edenen Ausprägungen und Funktionen serienmäßig verfügbar. Das von Kömmerling und G-Smatt entwickelte G-Smatt Glass ist transparentes Glas, Display und konstruktives Bauelement in einem: Das Element selbst lässt sich wie ein Standard-lsolierglas verbauen und ist dadurch im Einsatz überaus flexibel. Zwischen zwei Glasscheiben einer Einheit ist ein LED-Raster in Gießharz eingebettet, das sich mit beliebigen Media-lnhalten ansteuern lässt.

Dr. Knut Göke ist Leiter Produktmanagement & Marketing von Kömmerling Chemische Fabrik in Pirmasens

 

 

Welche Vorteile bietet TPS für Isolierglashersteller im Vergleich zu anderen Abstandhaltersystemen?

Unser thermoplastischer Abstand­halter besteht ausschließlich aus dem speziellen Kömmerling Butyl­ Dichtstoff Ködispace, der maschinell in einem einzigen Zug aus dem Fass direkt auf das Glas appliziert wird. Die Produktion bietet also eine sehr hohe, gleichbleibende Verarbeitungsqualität in einer sicheren Prozesskette. Unabhängig vom Scheibenformat läuft sie sehr vie! einfacher und schneller: Die Arbeitsschritte Zuschneiden, Biegen, Befüllen mit Trockenmittel und Butylieren der Abstandhalter entfallen. Außerdem müssen keine unterschiedlichen Abstandhaltergrößen gelagert werden. Wir liefern zudem die Sekundärversiegelung. So kommt alles geprüft aus einer Hand, die gefürchteten Unverträglichkeiten sind ausgeschlossen. Die Fertigung aus dem Fass bietet dazu eine große Flexibilität und Variabilität in Bezug auf Abmessungen und Formen der Scheibe, ebenso wie bei der Breite der Abstandhalter. Dreifach-lsoliergläser erreichen eine vollkommene Parallelität der Abstandhalter ohne Versatz.

 

Macht es Sinn, beim Psi-Wert die letzten kleinen Reserven für lso herauszukitzeln?

Die Verbesserung der Wärmetechnik ist wichtig, aber nur eines von vielen Kriterien, die ein Abstandhaltersystem für eine dauerhaft funktionsfähige lsolierglaseinheit erfüllen muss. Ein Unterschied im Psi -Wert von 0,001 W/mK ist nicht signifikant und hat keinerlei Relevanz beim Uw-Wert. Es hat sich eine Psi-Wert-Olympiade entwickelt, bei der nur noch auf den kleinsten Wert geschaut wird. Wesentlich ist aber die Güte der Verarbeitungsqualität in Hinblick auf den Gasfüllgrad und die dauerhafte Dichtigkeit..

 

Wo sehen Sie die wichtigsten Assets lhrer Lösungen bei TPS?

Dauerhaft gasdichte lsolierglas-Einheiten mit Silikon als Randverbund in der Serienproduktion herzustellen, ist problematisch. Ködispace 4SG ist unsere Antwort darauf. Das thermoplastische Abstandhaltersystem ermöglicht die Realisierung von dauerhaft gasdichten Glasfassaden in Kombination mit Silikon. Ködispace 4SG ist exakt für diese Anwendung erfolgreich geprüft und zertifiziert.

 

Wo sehen Sie die Schwerpunkte der künftigen Produktweiterentwicklung und für künftige Neuentwicklungen?

Wir wollen das Potenzial im Bereich der Warmen Kante ausschöpfen, speziell mit Ködispace 4SG als thermoplastischem Abstandhaltersystem in Kombination mit Silikon als Randverbund für die Fassade und ebenfalls bei Structural Glazing-Silikonen. Er kennen wir ein Problem, gehen wir dieses direkt an: Beispielsweise kann es langfristig durch die Pumpbewegung der Scheiben bei Dreifach-lsolierglas mit starren Abstandhaltersystemen zum Walk-in der Primärversiegelung kom­men. Wir arbeiten zurzeit an Lösungen, dieses Phänomen zu minimieren. Neben der Neu- und Weiterentwick­lung von Kleb- und Dichtstoffsystemen sehen wir unseren Schwerpunkt auch als Dienstleister und Partner für unsere Kunden: Durch die enge Zusammenarbeit mit Maschinenlieferanten und den Herstellern von Misch-­ und Dosieranlagen liefern wir das Produkt und dazu gleichzeitig einen Weg, es prozesssicher in der Fertigung zu verarbeiten. Unsere Anwendungstechniker sind weltweit vor Ort, wir lassen die Kunden bei Problemen nicht allein.

 

Wo hat die Glasindustrie mit Blick auf Dicht- und Klebstoffe Potenzial?

Ganz klar bei der Fensterklebetechnik: Ein hoherer Anteil von geklebten Fenstern, analog zu Österreich und der Schweiz, sollte in Deutschland angestrebt werden. Die Produktverbesserungen bei einem geklebten Element liegen auf der Hand: Das Fenster ist energieeffizienter und stabiler, schmalere Rahmen ermöglichen ein besseres Design und die Klebung liefert den Einbruchschutz mit. Kömmerling bietet im Umgang mi  dieser Fügetechnolo­gie Schulungen sowie Unterstützung vor Ort beim Einsatz in der Produktion.

 

Quelle: GFF 6/2017

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